Intestinal Methanogen Overgrowth (IMO): Zu viel Methan im Darm
Inhalt
1. Darmgesundheit
2. Was ist IMO?
2.1 Eukaryoten vs. Prokaryoten? Archaeen vs. Bakterien?
2.2 Auswirkungen von IMO
2.3 Diagnose von IMO
2.4 Behandlung von IMO
3. SIBO vs. IMO?
4. Fazit
1. Darmgesundheit
Die Darmgesundheit rückt zunehmend in den Fokus medizinischer Forschung und öffentlicher Aufmerksamkeit. Neben bekannteren Erkrankungen wie dem Reizdarmsyndrom oder der bakteriellen Fehlbesiedlung des Dünndarms (SIBO) gewinnt eine spezifische Form der Fehlbesiedlung an Bedeutung: Intestinal Methanogen Overgrowth (IMO). Dabei handelt es sich nicht um eine bakterielle, sondern um eine archaeale Fehlbesiedlung des Darms, die mit einer übermäßigen Produktion von Methan verbunden ist.
2. Was ist IMO?
IMO steht für „Intestinal Methanogen Overgrowth“, was eine Vermehrung der Methan-produzierenden Mikroorganismen, genauer Archaeen, im Darm beschreibt.
Diese Mikroorganismen, vor allem Methanobrevibacter smithii, Methanomassillococcus und Methanosphaera stadtmaniae (1,2), produzieren Methan aus Wasserstoff, der von anderen Darmbakterien gebildet wird.
Archaeen sind eine eigenständige Domäne von Mikroorganismen, die sich sowohl von Bakterien als auch von Eukaryoten grundlegend unterscheiden. Obwohl sie äußerlich oft bakterienähnlich erscheinen, weisen sie in ihrer Zellmembranstruktur, ihrem Stoffwechsel und ihrer genetischen Organisation deutliche Unterschiede auf.
2.1 Eukaryoten vs. Prokaryoten? Archaeen vs. Bakterien?
Prokaryoten und Eukaryoten unterscheiden sich grundlegend in ihrem Zellaufbau. Eukaryoten (dazu gehören z.B. Tiere, Pflanzen und Pilze) besitzen einen Zellkern, der ihre DNA umschließt, sowie verschiedene Zellorganellen mit spezifischen Funktionen. Prokaryoten hingegen haben keinen Zellkern; ihre DNA liegt frei im Zellinneren, und sie besitzen keine membranumschlossenen Organellen. Zu den Prokaryoten zählen zwei Gruppen: Bakterien und Archaeen. Beide sind einzellig und äußerlich ähnlich, unterscheiden sich aber in wichtigen molekularen Merkmalen. Archaeen haben besondere Zellmembranen, nutzen andere Stoffwechselwege und zeigen bei der Genregulation mehr Ähnlichkeiten mit Eukaryoten als mit Bakterien.
2.2 Auswirkungen von IMO
Betroffene mit einer intestinalen methanogenen Überwucherung (IMO) leiden häufig unter Verstopfung. Ursache dafür ist das von methanbildenden Mikroorganismen produzierte Methan, das die Darmmotilität verlangsamen und so die intestinale Transitzeit deutlich verlängern kann (2). Das kann zu Symptomen wie Verstopfung, Blähungen, Aufstoßen und Völlegefühl führen.
Ein verlangsamter Darmtransport erschwert zudem die natürliche Reinigungsfunktion des Darms, wodurch sich Mikroorganismen wie Archaeen leichter ansiedeln und vermehren können; ein sich selbst verstärkender Kreislauf.
2.3 Diagnose von IMO
Die gängigste Methode zur Diagnose einer IMO ist der Atemtest, bei dem die Konzentration von Wasserstoff und Methan in der Ausatemluft nach Einnahme von Lactulose oder Glukose gemessen wird. Ein signifikanter Anstieg des Methans (über 10 ppm zu jedem Zeitpunkt) deutet auf IMO hin. Wichtig ist dabei eine differenzierte Interpretation durch erfahrene Fachleute, da die Tests nicht immer eindeutig sind.
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der bei der Auswertung eines Atemtests berücksichtigt werden sollte, ist, dass Archaeen keine klassischen Bakterien sind und sie sowohl im Dünn- als auch im Dickdarm übersiedeln können.
Studien zeigen jedoch, dass die Methankonzentration in der Atemluft mit dem Ausmaß der Verstopfung korreliert.
2.4 Behandlung von IMO
Archaeen lassen sich nur schwer gezielt bekämpfen, weshalb eine Behandlung der IMO idealerweise unter ärztlicher Aufsicht erfolgen sollte. Die Therapie ähnelt in vielen Aspekten der Behandlung einer SIBO und umfasst unter anderem spezielle Diätformen, den Einsatz bestimmter Antibiotika sowie die ergänzende Gabe von Pro- und Präbiotika.
3. SIBO vs. IMO?
IMO wird oft mit SIBO verwechselt, da sich die Symptome überschneiden können (2). Der Hauptunterschied liegt jedoch im Erreger: Während SIBO durch eine Überwucherung mit Bakterien verursacht wird, handelt es sich bei IMO um Archaeen (2). IMO wird dennoch manchmal auch als eine „Unterform der SIBO“ bezeichnet.
4. Fazit
Intestinal Methanogen Overgrowth ist eine häufig übersehene, aber bedeutende Ursache für chronische Verdauungsbeschwerden, insbesondere für therapieresistente Verstopfung. Eine fundierte Diagnose und individuell abgestimmte Therapie sind entscheidend, um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern. Wer unter langanhaltenden Verdauungsproblemen leidet, sollte IMO als mögliche Ursache in Betracht ziehen und eine entsprechende Abklärung mit einem/einer erfahrenen Facharzt/Fachärztin in Erwägung ziehen. Durch unsere SIBO-Academy ausgebildete Ärzt:innen findest du hier.
Quellen
- Takakura W, Pimentel M. Small Intestinal Bacterial Overgrowth and Irritable Bowel Syndrome – An Update. Front Psychiatry. 2020 Jul 10;11:664. doi: 10.3389/fpsyt.2020.00664. PMID: 32754068; PMCID: PMC7366247.
- Mechlińska A, Frąckiewicz K, Gładyś-Cieszyńska K, Buczek D, Dziadziuszko R. Small intestinal bacterial overgrowth and intestinal methanogen overgrowth in gastrointestinal malignancies. Contemp Oncol (Pozn). 2025;29(1):11-21. doi: 10.5114/wo.2025.148643. Epub 2025 Mar 18. PMID: 40330452; PMCID: PMC12051882.

