
👆 Das Wichtigste in Kürze
- SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) beschreibt die vermehrte Ansiedlung von Bakterien im eigentlich sehr arm besiedelten Dünndarm. Dadurch kommt es zu Beschwerden wie Blähungen, Blähbauch, Durchfall und Verstopfung.
- Die fehlangesiedelten Bakterien nutzen bestimmte Stoffe aus der Ernährung und verstoffwechseln diese. Dadurch können sich die Symptome verschlimmern.
- Zur Symptomkontrolle eignet sich deshalb eine Ernährung, die auf diese bestimmte Form der Kohlenhydrate für eine kurze Zeit verzichtet. Welche Lebensmittel darunter fallen, wird im Folgenden betrachtet.
Bakterielle Fehlbesiedlung (SIBO) durch Wasserstoff-bildende Bakterien und was man dagegen tun kann
Inhalt
1. Was ist SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung)?
2. Welche SIBO-Arten gibt es?
3. Was versteht man unter Wasserstoff-SIBO?
4. Symptome der Wasserstoff-SIBO
5. Behandlung der Wasserstoff-SIBO
5.1 Antibiotika
5.2 Pflanzliche Therapien
5.3 Ernährung
6. Zusammenfassung
7. FAQs
1. Was ist SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung)?
Unter der Diagnose „SIBO (Small Intestinal Bacterial Overgrowth)“ wird eine übermäßige Vermehrung von Darmbakterien im Dünndarm verstanden. Diese führt zu Reizdarm-ähnlichen Beschwerden. Die fehlangesiedelten Bakterien fermentieren bestimmte Kohlenhydrate und Ballaststoffe aus der Nahrung und bilden Gase. Die Symptome unterscheiden sich je nach Art der Bakterien, die sich im Dünndarm angesiedelt haben. Häufig sind
Blähungen,
Verstopfung, Brain Fog,
Durchfall und
Bauchschmerzen. Die Diagnostik erfolgt über einen Atemtests
mit Glukose oder Laktulose (Anstieg von H₂ ≥20 ppm ≤90 min) erfasst. Bei Methan-Bildnern spricht man präziser von der Diagnose „IMO (Intestinal Methanogen Overgrowth)“. Diese können auch den Dickdarm fehlbesiedeln.
2. Welche SIBO-Arten gibt es?
Je nach Art der Darmbakterien, die den Darm überwuchern, unterscheidet man die Diagnosen Wasserstoff-SIBO (H2-SIBO), die
Methan-SIBO (IMO) und die
Schwefelwasserstoff-SIBO (ISO). Die Unterscheidung lässt sich durch den Atemgastest treffen. Je nachdem, welches Gas im Atemtest ansteigt (Methan oder Wasserstoff), handelt es sich um eine andere Fehlbesiedlung. Die Schwefelwasserstoff-SIBO kann in Europa noch nicht durch den Anstieg von Schwefelwasserstoff in einem Atemtest nachgewiesen werden. Sie ist hier nur indirekt erkennbar durch einen sogenannten „Flat-Line-Test“. Der Flatline-Test bei Schwefelwasserstoff-SIBO ist ein indirekter diagnostischer Ansatz mit dem herkömmlichen Lactulose-Atemtest. Dabei wird nach Einnahme einer Testlösung die Ausatemluft über einen Zeitraum von etwa 180 Minuten auf Wasserstoff und Methan untersucht. Ergibt sich während des gesamten Testverlaufs kein typischer Anstieg der Gase („Flatline“), sprechen die Symptome und das Fehlen eines Gas-Anstiegs für eine dominante Produktion von Schwefelwasserstoff (H₂S) durch spezifische Bakterien – denn H₂S wird mit Standardgeräten in Deutschland meist nicht erfasst. Die Flatline weist also darauf hin, dass Laktulose durch H₂S-bildende Bakterien so vollständig verstoffwechselt wird, dass Wasserstoff und Methan im Atem nicht nachweisbar sind – ein indirektes Zeichen für Schwefelwasserstoff-SIBO.
3. Was versteht man unter Wasserstoff-SIBO?
Bei der Wasserstoff-SIBO haben sie vorwiegend Darmbakterien im Dünndarm angesiedelt, die Wasserstoff bilden. Dazu zählen Escherichia coli (E. coli), die häufig verantwortlich sind für die Produktion von Wasserstoff durch fermentative Stoffwechselprozesse im Dünndarm. Klebsiella, die bekannt sin dfür die Produktion von Wasserstoff und häufig mit Symptomen wie Durchfall und Blähungen verbunden werden. Grampositive Aerobier wie Streptococcus, Bacterioides und Aeromonas. Außerdem können auch einige Lactobacillus-Arten den Dünndarm fehlbesiedeln.
4. Symptome einer Wasserstoff-SIBO
Typische Symptome einer Fehlbesiedlung mit Wasserstoff-bildenden Darmbakterien
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Blähungen und aufgeblähter Bauch
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Durchfall, oft sehr dünnflüssig
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Bauchkrämpfe und -schmerzen
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Unangenehme Bauchgeräusche und Völlegefühl
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Übelriechende Flatulenzen
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Müdigkeit, Konzentrationsprobleme („Brain Fog“) und Erschöpfung
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Manchmal Appetitlosigkeit und unklare Gewichtsveränderungen
- ggf. Mangel an spezifischen Vitaminen und Nährstoffen (v.a. Vitamin B12, fettlösliche Vitamine (A,D,K,E))
Die fehlbesiedelnden Bakterien im Dünndarm fermentieren unverdaute Kohlenhydrate und produzieren dabei vermehrt Wasserstoffgas und kurzkettige Fettsäuren. Diese Fettsäuren ziehen osmotisch Wasser in den Darm, was zu weichem Stuhl oder Durchfall führt. Die Gasbildung verursacht Blähungen und Bauchkrämpfe durch Dehnung der Darmwand. Zusätzlich können die Bakterien Gallensäuren verändern, was ebenfalls die Verdauung und Stuhlkonsistenz beeinflusst. Die veränderte Mikrobiota und Entzündungsprozesse können systemische Symptome wie Müdigkeit und Konzentrationsstörungen hervorrufen. Diese Symptome unterscheiden sich von Methan-SIBO, die eher mit Verstopfung verbunden ist, während Wasserstoff-SIBO häufiger zu Durchfall neigt.
5. Behandlung der Wasserstoff-SIBO
Zur Behandlung von SIBO stehen unterschiedliche Ansätze zur Verfügung:
Die Behandlung der Wasserstoff-SIBO (H2-SIBO) umfasst mehrere Ansätze, die oft kombiniert werden, um die bakterielle Fehlbesiedlung zu reduzieren und Symptome zu lindern:
5.1 Antibiotika
Rifaximin ist das bevorzugte Antibiotikum bei Wasserstoff-SIBO (Off-label Use). Es wirkt lokal im Darm, wird kaum resorbiert und hat wenige Nebenwirkungen. Studien zeigen eine Eradikationsrate von etwa 70% bei H2-SIBO. Andere Antibiotika können ergänzend eingesetzt werden, vor allem bei Rezidiven oder resistenten Fällen.
5.2 Pflanzliche Therapien
Pflanzliche antimikrobielle Substanzen wie Oregano-Öl und Granatapfelextrakt werden speziell bei Wasserstoff-SIBO gerne genutzt. Sie können eine Alternative oder Ergänzung zu Antibiotika sein. Auch das Präbiotikum PHGG (Partiell-hydrolisiertes Guarkernmehl) wird gerne in Ergänzung zur antibiotischen Therapie gegeben.
5.3 Ernährung
Eine
Low-FODMAP-Diät oder eine SIBO-spezifische Diät reduziert fermentierbare Kohlenhydrate, die den Bakterien als Nahrung dienen. Das Ziel ist hier, die Reduktion von Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. In speziellen, sehr schweren Fällen kann zur Reduktion der bakteriellen Besiedlung die Elementar-Diät angewendet werden.
5.4 Nachsorge und Lebensstil
Nach der akuten Behandlung sind Maßnahmen zur Erhaltung des Darmgleichgewichts wichtig, etwa durch Probiotika oder Präbiotika. Außerdem sollten Stressmanagement und optimierte Darmmotilität berücksichtigt werden. Eine individuelle ärztliche Begleitung ist für die optimale Therapiewahl und Verlaufskontrolle essenziell. Auch die Gabe von spezifischen Vitaminen und Nährstoffen kann im Verlauf sinnvoll sein. Durch die Fehlbesiedlung kann u.U. ein Mangel an spezifischen Vitaminen und Nährstoffen auftreten.
6. Zusammenfassung
Unter Wasserstoff-SIBO wird die Fehlbesiedlung des Dünndarms mit wasserstoff-bildenden Bakterien verstanden. Typischen Symptome sind hier vor allem Durchfall, Blähbauch, Blähungen aber auch Brain Fog und Müdigkeit. Die Behandlung erfolgt mit speziellen Antibiotika (vorwiegend Rifaximin) oder pflanzlichen Mitteln wie Oregano und Granatapfelextrakt. Zur Reduktion von Symptomen ist eine Anpassung der Ernährung (low FODMAP) empfehlenswert. Wichtig ist hier, auf eine begrenzte Dauer zu achten, da sonst das Darmmikrobiom leiden kann.
7. FAQs
Worauf sollte man bei der Ernährung achten, wenn man FODMAP-intolerant ist?
Am besten verträglich sind Lebensmittel, die eien geringen Gehalt an FODMAPs aufweisen. Hierzu zählen beispielsweise Eier, lösliche Ballaststoffe wie Flohsamenschalen, bestimmte Nüsse, ausgewähltes Obst und Gemüse. Wichtig ist es dabei, nicht nur auf die Lebensmittelgruppe, sondern auch auf die Größe der Portion zu achten.
Welche Lebensmittel sind bei SIBO häufig schwer verträglich?
Hierzu zählen Fertigprodukte, Zuckeralkohole und bestimmte Süßungsmittel, viele Obstsorten, Brot und Gebäck, das nicht aus Sauerteig hergestellt ist, aber auch einige Ballaststoffe und Nussarten.
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Quellen
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- Merck & Co., Inc. (2025). Dünndarm-Bakterienüberwucherung (SIBO). In MSD Manuals Profi Edition. Abgerufen von https://www.msdmanuals.com/de/profi/gastrointestinale-erkrankungen/malabsorptionssyndrome/dünndarm-bakterienüberwucherung-sibo
- Merck & Co., Inc. (2025). Dünndarmfehlbesiedlung (DDFB) – Verdauungsstörungen. MSD Manuals Patienten Edition. Abgerufen von https://www.msdmanuals.com/de/heim/verdauungsst%C3%B6rungen/malabsorption/d%C3%BCnndarmfehlbesiedlung-ddfb
- Institut für Mikrobiologie und Diagnostik Berlin (IMD). (2019). Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO): Diagnoseinformationen. Abgerufen von https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/300-399/372-duenndarmfehlbesiedlung-sibo


