
👆 Das Wichtigste in Kürze
- SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) beschreibt eine bakterielle Überwucherung des Dünndarms – häufig mit Symptomen, die an Reizdarm erinnern (Blähbauch, Bauchschmerzen, Durchfall/Verstopfung).
- Eine Darmspiegelung (Koloskopie) gilt nicht als direkte Ursache für SIBO. Meist liegen chronische Faktoren wie Motilitätsstörungen, Magensäuremangel oder anatomische Veränderungen zugrunde.
- Theoretisch können Darmreinigung, Medikamente/Sedierung und bereits bestehende Risikofaktoren das System kurzfristig belasten – bei neuen Beschwerden nach einer Koloskopie kann eine Atemtest-Diagnostik sinnvoll sein.
Kann eine Darmspiegelung SIBO verursachen?
1. Was ist SIBO?
2. Wodurch wird SIBO verursacht?
3. Kann eine Darmspiegelung SIBO verursachen?
4. Darmspiegelung / Koloskopie zur Diagnose von SIBO?
5. Was tun bei Beschwerden nach einer Koloskopie?
6. Zusammenfassung
7. FAQs
8. Quellen
1. Was ist SIBO?
SIBO steht für „Small Intestinal Bacterial Overgrowth“, also eine Dünndarm-Fehlbesiedlung bzw. bakterielle Überwucherung des Dünndarms.
Im gesunden Darm befinden sich die meisten Bakterien im Dickdarm, während der Dünndarm vergleichsweise bakterienarm ist.
Bei SIBO siedeln sich jedoch Dickdarm-typische Bakterien im Dünndarm an und vermehren sich dort übermäßig – häufig ab etwa
100.000 Bakterien pro Milliliter Dünndarmflüssigkeit.
Typische Beschwerden sind (oft reizmarm-ähnlich, deshalb wird die Diagnose häufig mit dem Reizdarmsyndrom verwechselt):
- Starke
Blähungen und ein sichtbar aufgeblähter Bauch, besonders nach dem Essen
Bauchschmerzen, Völlegefühl, Aufstoßen
Durchfall,
Verstopfung oder wechselhafter Stuhlgang
Müdigkeit, Gewichtsverlust oder Nährstoffmängel (z.B. Vitamin B12) bei länger bestehender SIBO
SIBO wird daher häufig erst erkannt, wenn klassische Reizdarm-Strategien nicht ausreichend helfen und eine gezielte Diagnostik (z.B. Atemtest) erfolgt.
2. Wodurch wird SIBO verursacht?
SIBO entsteht in der Regel nicht „aus dem Nichts“, sondern durch eine Störung natürlicher Schutz- und Reinigungsmechanismen im oberen Darm.
Zu den wichtigsten Ursachen und Risikofaktoren gehören:
- Verlangsamte
Darmmotilität:
Bei Diabetes, Parkinson, Sklerodermie, chronischem Reizdarm oder bestimmten Medikamenten bewegt sich der Speisebrei langsamer durch den Dünndarm –
Bakterien haben mehr Zeit, sich anzusiedeln. - Verminderte
Magensäureproduktion:
Protonenpumpenhemmer (PPI), chronische Gastritis oder zunehmendes Alter können dazu führen, dass weniger Magensäure vorhanden ist, die Bakterien normalerweise abtötet. - Anatomische Veränderungen:
Operationen im Bauchraum, Narben, Divertikel, Stenosen oder ein verkürzter Dünndarm können „Taschen“ bilden, in denen Bakterien stagnieren. - Störungen der Ileozäkalklappe:
Diese Klappe zwischen Dünndarm und Dickdarm verhindert normalerweise, dass Dickdarmbakterien zurückwandern; bei Fehlfunktion gelangen sie in den Dünndarm. Verdauungsenzym- oder Gallensäuremangel:
Pankreasinsuffizienz oder Gallenprobleme können die Verdauung stören und bakterielle Überwucherung begünstigen.
Zusätzlich können Antibiotika, Immunschwäche, chronische Entzündungen oder eine gestörte Darmflora das Risiko erhöhen.
3. Kann eine Darmspiegelung SIBO verursachen?
Häufig fragen sich Patienten, ob eine Darmspiegelung (Koloskopie) ursächlich für ihre SIBO sein kann. Die Koloskopie gilt nicht als direkte Ursache für SIBO.
SIBO entsteht meist durch chronische Faktoren (z.B. Motilitätsstörungen, Operationen, Medikamente, Magensäuremangel) – nicht durch eine einzelne endoskopische Untersuchung.
Dennoch gibt es indirekte Mechanismen, bei denen eine Koloskopie das Risiko theoretisch begünstigen kann – insbesondere bei bereits vorbelasteten Personen:
- Darmreinigung:
Die intensive Abführ-Vorbereitung kann die Darmflora kurzfristig stören und Besiedlungsmuster im Verdauungstrakt verändern. - Sedierung und Medikamente:
Beruhigungsmittel oder andere Arzneimittel können die Darmmotilität verlangsamen, sodass Nahrung länger im Dünndarm verweilt und Bakterien mehr Zeit zur Vermehrung haben. - Bereits bestehende Risikofaktoren:
Wer ohnehin an Reizdarm, Diabetes, Pankreasproblemen oder unter Magensäureblockern leidet, ist generell anfälliger – eine Koloskopie kann dann eher ein zusätzlicher Stressfaktor als der eigentliche Auslöser sein.
Wichtig: Es gibt keine gesicherten Studien, die zeigen, dass eine Darmspiegelung allein typischerweise SIBO auslöst.
4. Darmspiegelung / Koloskopie zur Diagnose von SIBO?
Eine Darmspiegelung (Koloskopie) ist für die eigentliche SIBO‑Diagnostik nur bedingt geeignet, weil SIBO eine Fehlbesiedelung des Dünndarms beschreibt und dieser Bereich bei der Standard‑Koloskopie nicht zuverlässig eingesehen wird. Zwar können Ärzte und Ärztinnen im Rahmen einer Spiegelung andere Ursachen für Beschwerden ausschließen oder erkennen (z. B. Entzündungen, Hinweise auf Zöliakie bei der Gastroskopie, Polypen, Tumoren, Blutungsquellen) und bei Bedarf Biopsien entnehmen – das ist diagnostisch sehr wertvoll, aber eher im Sinne einer Differenzialdiagnostik zu sehen.
Für SIBO selbst gelten in der Praxis vor allem Atemtests (z. B. mit Lactulose oder Glukose) als gängige, nicht‑invasive Methode. Der Goldstandard der Diagnostik einer SIBO ist die quantitative mikrobiologische Untersuchung eines endoskopisch gewonnenen Dünndarmaspirats, da hier die Bakterienzahl im Dünndarm direkt und zahlenmäßig bestimmt werden kann. Diese Methode ist jedoch sehr aufwändig und invasiv. In der Praxis hat sich demnach der Atemgastest durchgesetzt.
5. Was tun bei Beschwerden nach einer Koloskopie?
Wenn nach einer Koloskopie plötzlich neue oder deutlich stärkere Beschwerden wie Blähungen, Völlegefühl, Durchfall oder aufgeblähter Bauch auftreten, ist es sinnvoll, strukturiert vorzugehen – statt automatisch die Untersuchung als „Schuldige“ zu sehen.
- Symptome dokumentieren: Wann beginnen die Beschwerden, wodurch werden sie besser/schlechter (Essen, Stress, Medikamente)?
- Ärztlich abklären lassen: Vor allem, wenn Beschwerden anhalten, deutlich zunehmen oder die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
- SIBO-Diagnostik besprechen: Häufig ist ein Wasserstoff-/Methan-Atemtest der nächste sinnvolle Schritt.
- Andere Ursachen mitdenken: Unverträglichkeiten, Infekte, Reizdarm-Trigger, Medikamenten-Effekte oder bestehende Motilitätsprobleme.
Hinweis: Bei Alarmzeichen wie Blut im Stuhl, Fieber, anhaltendem Erbrechen, starkem Gewichtsverlust oder starken Schmerzen sollte immer zeitnah ärztlich abgeklärt werden.
Zur Therapie von SIBO (Dünndarmfehlbesiedlung) z.B. mit Rifaximin oder anderen antibiotischen Substanzen und
Ernährung bei SIBO (z.B. durch Reduktion bestimmter Kohlenhydrate, low FODMAP) finden sich in den jeweils verlinkten Artikeln hilfreiche Informationen.
6. Zusammenfassung
Eine Koloskopie ist in der Regel nicht die Ursache von SIBO. Wenn nach der Untersuchung Symptome auftreten, kann dies eher mit vorübergehenden Veränderungen (z.B. Darmreinigung, Medikamenten-Effekte) und bestehenden Risikofaktoren zusammenhängen.
Bei anhaltenden Beschwerden lohnt es sich, eine gezielte Diagnostik (z.B. Atemtest) mit dem Arzt zu besprechen, um die Ursache klar einzuordnen.
7. FAQs
Kann eine Darmspiegelung alleine SIBO auslösen?
Eine Koloskopie gilt nicht als direkte Ursache für SIBO. Theoretisch können Darmreinigung und Medikamente das System kurzfristig belasten,
vor allem wenn bereits Risikofaktoren bestehen. Für ein „typisches Auslösen“ allein durch die Untersuchung gibt es keine gesicherten Nachweise.
Woran erkennt man SIBO typischerweise?
Häufige Hinweise sind starker Blähbauch (oft nach dem Essen), Blähungen, Bauchschmerzen/Völlegefühl sowie Durchfall, Verstopfung oder ein Wechsel.
Manche Betroffene berichten zusätzlich über Müdigkeit und Nährstoffmängel.
Welche Diagnostik ist üblich?
Häufig wird ein Wasserstoff-/Methan-Atemtest eingesetzt. Die genaue Vorgehensweise sollte individuell mit dem behandelnden Arzt besprochen werden,
insbesondere wenn andere Erkrankungen oder Risikofaktoren bestehen.
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8. Quellen
- IMD Berlin. (o. J.). 372 Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO).
https://www.imd-berlin.de/fachinformationen/diagnostikinformationen/300-399/372-duenndarmfehlbesiedlung-sibo
(Zugriff am 26.01.2026) - Gastroklinik CH. (o. J.). SIBO – Dünndarmüberwucherung: Ursache und Behandlung.
https://www.gastroklinik.ch/sibo-duenndarmueberwucherung/
(Zugriff am 26.01.2026) - Medical Tribune. (o. J.). Wucher im Dünndarm.
https://www.medical-tribune.de/medizin-und-forschung/artikel/wucher-im-duenndarm
(Zugriff am 26.01.2026) - Reizdarm-SOS. (o. J.). Mögliche Ursachen von SIBO und IMO.
https://www.reizdarm-sos.de/blogs/reizdarm-sos-blog/mogliche-ursachen-von-sibo-und-imo
(Zugriff am 26.01.2026) - Premium Medical Circle. (o. J.). SIBO erkennen & behandeln: Symptome, Ursachen, Behandlung.
https://premiummedicalcircle.com/de/artikel/sibo-wenn-bakterien-am-falschen-ort-die-ursache-fur-bisher-unerklarliche-beschwerden
(Zugriff am 26.01.2026) - Madena. (o. J.). Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO): Symptome, Ursachen & Diagnose.
https://madena.de/blogs/news/dunndarmfehlbesiedlung-sibo-symptome-ursachen-diagnose
(Zugriff am 26.01.2026) - MSD Manuals. (o. J.). Dünndarm-Bakterienüberwucherung (SIBO).
https://www.msdmanuals.com/de/profi/gastrointestinale-erkrankungen/malabsorptionssyndrome/d%C3%BCnndarm-bakterien%C3%BCberwucherung-sibo
(Zugriff am 26.01.2026) - Hoppe, G., & Fiedler, T. (2025). Bakterielle Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO). Zeitschrift für Gastroenterologie. Thieme Connect.
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/html/10.1055/a-2518-9266
(Zugriff am 26.01.2026)


