Positiver SIBO-Atemtest: Was Wasserstoff-, Methan- und Laktulosewerte bedeuten

Positiver SIBO-Atemtest: Was bedeuten erhöhte Wasserstoff- oder Methanwerte? Wir erklären Ablauf, Zuckerlösung, Probenabstand, Schwellenwerte, Vorbereitung und mögliche Fehlerquellen verständlich.

28. September 2026
Dr. Thomas Bacharach

DR. THOMAS BACHARACH

Facharzt für Allgemeinmedizin

🕑 Lesezeit: 8–10 Minuten

👆 Das Wichtigste in Kürze

  • Ein SIBO-Atemgastest (SIBO-Atemtest) misst in mehreren Atemproben vor allem Wasserstoff und Methan nach dem Trinken einer definierten Zuckerlösung. Neuere Drei-Gas-Testsysteme können zusätzlich Schwefelwasserstoff (H₂S) erfassen; für H₂S fehlen bislang jedoch allgemein anerkannte leitlinienbasierte Grenzwerte.1,2,5,6
  • Als häufig verwendete Kriterien gelten: ein Wasserstoffanstieg von mindestens 20 ppm über den Ausgangswert innerhalb von 90 Minuten sowie Methan ab 10 ppm zu einem beliebigen Zeitpunkt der Messung.1,4
  • Ein positives Testergebnis ist ein Hinweis, der bei Patientinnen und Patienten gemeinsam mit Beschwerden, Testsubstanz, Vorbereitung, Medikamenten und möglicher Darmtransitzeit eingeordnet werden sollte.2,3,5
  • Die sorgfältige Vorbereitung ist entscheidend: Antibiotika sollten in der Regel mindestens 4 Wochen vorher beendet sein; außerdem gelten je nach Labor Vorgaben zu Ernährung, Fasten, Probiotika, Prokinetika und Abführmitteln.2,3

✔ Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ein Atemgastest sollte immer im persönlichen klinischen Zusammenhang interpretiert werden. Bei starken, neu auftretenden oder anhaltenden Beschwerden, Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Fieber oder nächtlichen Schmerzen sollte zeitnah ärztliche Hilfe eingeholt werden.2,4

Positiver SIBO-Atemgastest: Was Wasserstoff-, Methan-, Schwefelwasserstoff- und Lactulosewerte bedeuten

Ein positiver SIBO-Atemgastest kann bei Patientinnen und Patienten mit passenden Beschwerden ein Hinweis auf eine Dünndarmfehlbesiedlung sein. Beim klassischen Wasserstoff-Methan-Atemgastest wird nach einer definierten Zuckerlösung in regelmäßigen Abständen eine Atemprobe abgegeben. Das Labor misst, ob Wasserstoff oder Methan auffällig ansteigen. Einige neuere Testsysteme erfassen zusätzlich Schwefelwasserstoff (H₂S); diese Messung ergänzt die etablierten H₂-/CH₄-Verfahren, ist aber noch nicht in gleicher Weise standardisiert.1,2,5,6

Wichtig: Ein auffälliges Testergebnis ist nicht automatisch eine endgültige Diagnose und legt auch nicht allein die Therapie fest. Symptome, Testsubstanz, richtige Vorbereitung, Medikamente, die Qualität jeder Probe und die individuelle Darmtransitzeit können den Verlauf beeinflussen. Deshalb sollten die Testergebnisse immer durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine entsprechend qualifizierte Fachperson im klinischen Zusammenhang eingeordnet werden.2,3,4,5

Hinweis zur Begrifflichkeit: VerlinkungSIBO steht für „Small Intestinal Bacterial Overgrowth“, also eine bakterielle Fehlbesiedlung des Dünndarms. Bei erhöhtem Methan wird heute häufig zusätzlich von intestinal methanogen overgrowth (IMO) gesprochen, weil Methan von Archaeen beziehungsweise Methanogenen gebildet wird und nicht nur auf den Dünndarm begrenzt sein muss.4

1. Was misst ein SIBO-Atemgastest?
2. Ablauf: Zuckerlösung, Probe und Abstand
3. Wann ist ein SIBO-Atemgastest positiv?
4. Glukose, Lactulose (Laktulose) und Fruktose im Vergleich
5. Checkliste: Vorbereitung auf den Atemgastest
6. Fehlerquellen und Grenzen der Interpretation
7. FAQ zum positiven Atemgastest
8. Glossar
9. Quellen

1. Was misst ein SIBO-Atemgastest?

Ein SIBO-Atemgastest ist ein nicht-invasives Verfahren. Er untersucht, ob sich nach der Einnahme einer Testsubstanz die Konzentration mikrobiell gebildeter Gase in der Ausatemluft verändert. Etabliert sind vor allem VerlinkungWasserstoff (H₂) und VerlinkungMethan (CH₄); neuere Drei-Gas-Verfahren messen zusätzlich VerlinkungSchwefelwasserstoff (H₂S). Die Gase beziehungsweise ihre Vorstufen entstehen durch mikrobielle Stoffwechselprozesse im Darm, gelangen in den Kreislauf und können anschließend in der Ausatemluft gemessen werden.1,2,5,6

Die Testsubstanz ist meist Glukose oder Lactulose (Laktulose). Bei einer möglichen Dünndarmfehlbesiedlung kann es zu einem frühen Anstieg der gemessenen Gase kommen. Entscheidend ist dabei nicht nur ein einzelner Wert, sondern der vollständige Verlauf der Atemproben über die gesamte Testdauer sowie der klinische Kontext des Patienten.1,4,5

Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff: unterschiedliche Atemgase

  • Wasserstoff (H₂): Er entsteht bei der mikrobiellen Fermentation von Kohlenhydraten. Ein früher, deutlicher Anstieg kann im passenden klinischen Kontext auf SIBO hinweisen.1,4
  • Methan (CH₄): Es wird von Methanogenen gebildet. Ein Wert von mindestens 10 ppm wird in gängigen Konsensus-Empfehlungen als methanpositiv betrachtet; klinisch wird dies häufig als IMO eingeordnet.1,4
  • Schwefelwasserstoff (H₂S): H₂S kann von schwefelverstoffwechselnden beziehungsweise H₂S-bildenden Darmbakterien entstehen. Neuere Studien zeigen Zusammenhänge zwischen H₂S in der Atemluft, H₂S-bildenden Mikroorganismen im Dünndarm und insbesondere diarrhöassoziierten Beschwerden. Die Messung ist jedoch noch nicht so standardisiert wie H₂ und CH₄; ein allgemein anerkannter leitlinienbasierter Grenzwert fehlt bislang.5,6,7
  • Niedrige Werte: Ein niedriger Wasserstoffwert schließt Beschwerden oder andere Ursachen nicht aus. Wasserstoff kann unter anderem von Methanogenen oder H₂S-bildenden Mikroorganismen weiterverwertet werden. Deshalb sollten niedrige H₂-Werte nicht isoliert interpretiert werden.5,6

Einordnung von Schwefelwasserstoff: Die H₂S-Messung ist ein neuerer Bestandteil einzelner Drei-Gas-Atemgastests. Eine 2025 publizierte Studie fand Zusammenhänge zwischen höheren H₂S-Werten in der Atemluft und H₂S-bildenden Bakterien in Duodenalproben. Eine große Beobachtungsstudie aus 2026 zeigte zudem Assoziationen höherer H₂S-Werte mit Diarrhö, Stuhldrang und Bauchschmerzen. Diese Daten erweitern das Verständnis, ersetzen aber noch keine standardisierten Leitlinienkriterien: Für H₂S besteht derzeit kein allgemein anerkannter diagnostischer Grenzwert.5,6,7

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2. Ablauf: Zuckerlösung, Probe und Abstand

Der Wasserstoff-Methan-Atemgastest wird meist morgens nach einer Nüchternphase durchgeführt. Zunächst geben Sie eine erste Atemprobe ab. Diese Probe liefert den Ausgangs- oder Basalwert. Anschließend trinken Sie eine genau definierte Zuckerlösung mit Glukose oder Lactulose (Laktulose).1,2

Danach werden weitere Atemproben in festen Abständen genommen. Je nach Testprotokoll liegt der Abstand zwischen den einzelnen Proben häufig bei 15 bis 20 Minuten. Die Testdauer beträgt meist zwei bis drei Stunden. Wichtig ist, jede Probe zum vorgesehenen Zeitpunkt korrekt zu nehmen und zu beschriften, damit sich der Gasverlauf zuverlässig beurteilen lässt.2,3

Typischer Ablauf in Schritten

  1. Erste Atemprobe vor Beginn des Tests: Sie dokumentiert den Basalwert.
  2. Trinken der Zuckerlösung mit Glukose oder Lactulose (Laktulose).
  3. Abgabe weiterer Atemproben im vorgegebenen Abstand.
  4. Laboranalyse von Wasserstoff und Methan; bei geeigneten Drei-Gas-Systemen zusätzlich Schwefelwasserstoff.
  5. Auswertung des gesamten Kurvenverlaufs unter Berücksichtigung von Beschwerden und Vorbereitung.

Während der Testung sollten Sie nicht essen, nicht rauchen, keinen Kaugummi kauen und körperliche Belastung vermeiden. Ob und wie viel stilles Wasser erlaubt ist, richtet sich nach der Anleitung des jeweiligen Labors oder der Praxis.2,3

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3. Wann ist ein SIBO-Atemgastest positiv?

Ob ein Testergebnis als positiv eingeordnet wird, hängt von den gemessenen Gasen, der Testsubstanz und den verwendeten Kriterien ab. Die international häufig verwendeten Schwellenwerte nach dem North American Consensus und der ACG-Leitlinie beziehen sich auf Wasserstoff und Methan:1,4

  • Wasserstoff: Ein Anstieg von mindestens 20 ppm gegenüber dem Ausgangswert innerhalb der ersten 90 Minuten nach Einnahme von Glukose oder Lactulose (Laktulose).
  • Methan: Ein Methanwert von mindestens 10 ppm zu einem beliebigen Zeitpunkt der Messung.

ppm steht für „parts per million“, also „Teile pro Million“. Der Schwellenwert allein ersetzt keine medizinische Bewertung. Ein auffälliges Testergebnis kann durch die Testsubstanz, eine abweichende Darmtransitzeit, eine nicht optimale Vorbereitung oder Probleme bei der Atemprobe beeinflusst sein. Für Schwefelwasserstoff existiert derzeit kein international etablierter Konsensus-Grenzwert, der mit den H₂-/CH₄-Kriterien gleichgesetzt werden könnte.2,3,5,6

Messwert Häufig verwendeter Schwellenwert Einordnung
Wasserstoff Anstieg ≥ 20 ppm über Basalwert innerhalb von 90 Minuten Kann bei passendem klinischen Bild einen Hinweis auf SIBO geben.1,4
Methan ≥ 10 ppm zu irgendeinem Zeitpunkt Spricht für einen methanpositiven Befund und wird häufig als IMO eingeordnet.1,4
Schwefelwasserstoff (H₂S) Kein allgemein anerkannter leitlinienbasierter Grenzwert Neuere Studien zeigen Zusammenhänge mit H₂S-bildenden Dünndarmbakterien und insbesondere diarrhöassoziierten Beschwerden; die diagnostische Standardisierung ist jedoch noch nicht abgeschlossen.5,6,7

Was bedeutet das Testergebnis für die Therapie?

Ein positives Testergebnis allein bestimmt noch keine Therapie. Die ACG-Leitlinie empfiehlt bei symptomatischen Patienten mit SIBO eine antibiotische Behandlung als bedingte Empfehlung bei insgesamt niedriger Evidenzqualität. Welche Behandlung im Einzelfall sinnvoll ist, hängt unter anderem von Beschwerden, Risikofaktoren, Begleiterkrankungen, vorausgegangenen Therapien und der diagnostischen Einordnung ab. Insbesondere aus einem erhöhten Schwefelwasserstoff-Wert sollte derzeit keine eigenständige standardisierte Therapie abgeleitet werden, weil hierfür noch keine etablierten leitlinienbasierten Grenz- und Behandlungskriterien vorliegen.4,5,6

4. Glukose, Lactulose (Laktulose) und Fruktose im Vergleich

Die Testsubstanz beeinflusst, welcher Abschnitt des Darms mit dem Atemgastest besonders gut beurteilt werden kann. Glukose und Lactulose (Laktulose) sind etablierte Substrate in der SIBO-Atemtestung. Ein Fruktose-Atemtest wird dagegen vor allem zur Untersuchung einer Fruktosemalabsorption verwendet und ist kein Standardtest zur SIBO-Diagnostik.1,2,4

Testsubstanz Absorption im Darm Was wird gemessen? Vorteil / Besonderheit
Glukose Wird im oberen Dünndarm rasch aufgenommen. Wasserstoff und Methan. Kann Hinweise auf eine Fermentation im proximalen Dünndarm geben. Veränderungen in weiter distal gelegenen Dünndarmabschnitten können unter Umständen weniger gut erfasst werden.1,2
Lactulose (Laktulose) Wird vom Menschen nicht aufgenommen und gelangt weiter Richtung Dickdarm. Wasserstoff und Methan. Ermöglicht die Beurteilung des zeitlichen Gasverlaufs über einen größeren Darmabschnitt. Die Interpretation ist anspruchsvoll, weil eine schnelle oro-zökale Transitzeit einen frühen Anstieg mitverursachen kann.2,3
Fruktose Wird individuell unterschiedlich und begrenzt im Dünndarm aufgenommen. Vor allem Wasserstoff, idealerweise auch Methan. Dient primär zur Abklärung einer Fruktosemalabsorption. Ein auffälliger Fruktose-Atemtest beweist keine SIBO.2

Warum der 90-Minuten-Zeitpunkt nicht isoliert betrachtet werden darf

Der 90-Minuten-Zeitraum wird häufig für die Bewertung eines frühen Wasserstoffanstiegs verwendet. Er ist aber kein individueller, unveränderlicher Zeitpunkt, zu dem Laktulose bei jedem Menschen den Dickdarm erreicht. Die oro-zökale Transitzeit kann unterschiedlich sein und ist eine wichtige Fehlerquelle. Deshalb sollten Testkurven nicht rein schematisch, sondern zusammen mit der klinischen Situation interpretiert werden. Fachgesellschaften und Experten bewerten insbesondere die Aussagekraft des Lactulose-Atemtests bei unspezifischen funktionellen Beschwerden teilweise unterschiedlich, was die Bedeutung einer sorgfältigen klinischen Einordnung zusätzlich unterstreicht.2,3,8

5. Checkliste: Vorbereitung auf den Atemgastest

Eine gute Vorbereitung verbessert die Aussagekraft eines Atemgastests und damit die Zuverlässigkeit der Testergebnisse. Die konkrete Anleitung des Labors oder der behandelnden Praxis hat immer Vorrang, weil sich Protokolle je nach Testsystem und medizinischer Situation unterscheiden können.2,3

Unsere Checkliste für den SIBO Atemtest

Vorbereitungs-Checkliste

  • ☐ Antibiotika: In der Regel mindestens 4 Wochen vor dem Test nicht einnehmen, sofern dies medizinisch vertretbar ist und mit der behandelnden Praxis abgestimmt wurde.2
  • ☐ Ernährung am Vortag: Schlecht resorbierbare, stark fermentierbare Kohlenhydrate und ballaststoffreiche Lebensmittel nach Laborvorgabe meiden.2,3
  • ☐ Prä- und Probiotika: Nur nach den Vorgaben der Praxis einnehmen oder pausieren; die Empfehlungen können sich je nach Labor unterscheiden.3
  • ☐ Prokinetika und Abführmittel: Nur nach Rücksprache pausieren. Häufig werden je nach Leitlinie oder Labor mindestens 24 Stunden bis etwa eine Woche empfohlen.2,3
  • ☐ Fasten: Vor dem Test meist mindestens 8 Stunden nüchtern bleiben; manche Protokolle empfehlen 8 bis 12 Stunden.2,3
  • ☐ Am Testtag: Nicht rauchen, nicht trainieren, keinen Kaugummi kauen und nicht essen. Erlaubte Getränke richten sich nach der Laboranweisung.2,3
  • ☐ Medikamente dokumentieren: Alle Arzneimittel und Nahrungsergänzungen vorab mit der Praxis besprechen.

6. Fehlerquellen und Grenzen der Interpretation

Atemtests sind praktisch, nicht-invasiv und weit verbreitet. Dennoch gibt es Einschränkungen. Ein positives Ergebnis kann nicht unabhängig von der Vorbereitung, der Testmethode und der klinischen Situation beurteilt werden.2,3

Mögliche Gründe für schwer interpretierbare Ergebnisse

  • Unvollständige Vorbereitung: Antibiotika, abweichende Ernährung, Rauchen, Sport oder bestimmte Medikamente können den Verlauf verändern.2,3
  • Schnelle oder langsame Transitzeit: Vor allem beim Lactulose-Atemtest (Laktulose-Atemtest) kann der Zeitpunkt, zu dem die Testsubstanz den Dickdarm erreicht, die Interpretation beeinflussen.2,3
  • Ungeeignete Atemprobe: Eine nicht korrekt abgegebene endexspiratorische Probe kann verdünnte Atemluft enthalten und die Messung verfälschen.2
  • Einseitige Gasmessung: Wird nur Wasserstoff gemessen, kann ein methanpositiver Befund übersehen werden. Daher ist die gleichzeitige Messung von Wasserstoff und Methan sinnvoll.2,4
  • Schwefelwasserstoff-Messung: H₂S kann zusätzliche Informationen liefern, ist aber nicht Bestandteil aller Testsysteme. Fehlende Standardisierung und fehlende allgemein akzeptierte Grenzwerte begrenzen derzeit die diagnostische Aussagekraft eines isolierten H₂S-Werts.5,6
  • Unspezifische Beschwerden: Blähbauch, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung oder Völlegefühl können viele Ursachen haben – etwa Reizdarm, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Zöliakie, Motilitätsstörungen oder andere gastroenterologische Erkrankungen.

Aus diesen Gründen ist es sinnvoll, nicht nur „positiv“ oder „negativ“ zu betrachten. Eine gute Befundbesprechung berücksichtigt Kurvenverlauf, Beschwerden, Risiko- und Begleitfaktoren sowie mögliche Alternativerklärungen.3,4

7. FAQ zum positiven Atemgastest

Bedeutet ein positives SIBO-Atemgastest-Ergebnis sicher, dass ich SIBO habe?

Nein. Ein positives Testergebnis kann ein Hinweis auf eine vermehrte mikrobielle Fermentation im Dünndarm sein. Es sollte aber immer zusammen mit Beschwerden, Vorerkrankungen, Testsubstanz, Medikamenten, Vorbereitung und möglichen Fehlerquellen bewertet werden.2,3,5

Was ist der Unterschied zwischen Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff?

Wasserstoff, Methan und Schwefelwasserstoff sind unterschiedliche mikrobielle Atemgase beziehungsweise Stoffwechselprodukte. Ein früher Wasserstoffanstieg kann bei einer Kohlenhydratfermentation auftreten. Methan wird von Methanogenen gebildet; ein Wert von mindestens 10 ppm zu irgendeinem Zeitpunkt gilt in den gängigen Konsensus-Kriterien als methanpositiv und wird häufig im Rahmen einer IMO eingeordnet. Schwefelwasserstoff (H₂S) wird mit H₂S-bildenden Bakterien in Verbindung gebracht; neuere Daten zeigen unter anderem Assoziationen mit Diarrhö, Drang und Bauchschmerzen. Für H₂S fehlen bislang jedoch standardisierte, allgemein anerkannte diagnostische Grenzwerte.1,4,5,6,7

Was passiert, wenn ich bei der Vorbereitung einen Fehler gemacht habe?

Dann kann das Ergebnis weniger zuverlässig oder schwieriger zu interpretieren sein. Informieren Sie die behandelnde Praxis offen über Antibiotika, Ernährung, Probiotika, Abführmittel, Prokinetika, Rauchen oder andere Abweichungen. Je nach Situation kann eine Wiederholung unter standardisierten Bedingungen sinnvoll sein.2,3

Kann aus einem positiven Testergebnis direkt eine Therapie abgeleitet werden?

Nein. Bei symptomatischen Patienten kann ein positiver Befund die therapeutische Entscheidung unterstützen, aber die Therapie sollte nicht ausschließlich auf einem Atemgastest beruhen. Die ACG-Leitlinie spricht sich bei symptomatischer SIBO für eine antibiotische Behandlung aus, bewertet die Evidenz dafür jedoch als niedrig. Für Schwefelwasserstoff gibt es derzeit keine allgemein anerkannten leitlinienbasierten Behandlungsschwellen.4,5,6

Kann ein Blähbauch wirklich Rückenschmerzen verursachen?

Ein stark geblähter Bauch kann Druckgefühl, Verspannungen und ausstrahlende Beschwerden verursachen. Rückenschmerzen haben jedoch viele mögliche Ursachen und sollten nicht automatisch dem Darm zugeschrieben werden. Bei starken, neu auftretenden oder anhaltenden Schmerzen sowie bei Warnzeichen wie Fieber, Gewichtsverlust, Blut im Stuhl, Taubheitsgefühl oder Lähmungserscheinungen ist eine ärztliche Abklärung wichtig.

8. Glossar: wichtige Fachbegriffe zum SIBO-Atemgastest

Atemgastest
Nicht-invasives Testverfahren, bei dem nach einer definierten Testsubstanz Gase in der Ausatemluft gemessen werden. In der SIBO-Diagnostik sind vor allem Wasserstoff und Methan etabliert; einige Systeme messen zusätzlich Schwefelwasserstoff.1,2,5
Atemprobe
Eine Ausatemluftprobe, die zu einem vorgegebenen Zeitpunkt gesammelt und mindestens auf Wasserstoff und Methan untersucht wird; geeignete Drei-Gas-Systeme können zusätzlich Schwefelwasserstoff messen.
Basalwert
Der erste Messwert vor dem Trinken der Zuckerlösung. Er dient als Ausgangspunkt für die Beurteilung späterer Werte.
Glukose
Eine Testsubstanz, die im oberen Dünndarm rasch aufgenommen wird. Sie wird in der SIBO-Atemtestung häufig eingesetzt.1,2
IMO
Intestinal methanogen overgrowth. Bezeichnung für einen methanpositiven Atemtestbefund; Methanogene sind keine Bakterien, sondern Archaeen.4
Lactulose (Laktulose)
Ein nicht resorbierbarer Zucker, der den Dünndarm passiert und in den Dickdarm gelangt. Dadurch ist die Verlaufskurve bei der Interpretation besonders wichtig.1,2
Methan (CH₄)
Ein Atemgas, das durch Methanogene gebildet wird. Ein Wert ab 10 ppm zu einem beliebigen Zeitpunkt gilt in den gängigen Kriterien als methanpositiv.1,4
ppm
„Parts per million“, auf Deutsch „Teile pro Million“. Die Einheit beschreibt die Konzentration von Gasen in der Atemluft.
Schwellenwert
Ein festgelegter Grenzwert, ab dem ein Gasverlauf als auffällig eingeordnet wird. Der Schwellenwert ersetzt keine individuelle ärztliche Bewertung.
Schwefelwasserstoff (H₂S)
Ein mikrobiell gebildetes Gas, das in neueren Drei-Gas-Atemgastests gemessen werden kann. Studien zeigen Zusammenhänge mit H₂S-bildenden Dünndarmbakterien und diarrhöassoziierten Beschwerden; standardisierte diagnostische Grenzwerte fehlen bislang.5,6,7
Testergebnis
Die zusammenfassende Einordnung der gemessenen Gaskurve. Testergebnisse sollten zusammen mit Symptomen, Vorbereitung, Testsubstanz, Medikamenten und möglichen Fehlerquellen interpretiert werden.
Therapie
Die Behandlung richtet sich nicht allein nach dem Atemgastest. Bei symptomatischer SIBO nennt die ACG-Leitlinie Antibiotika als mögliche Behandlung, allerdings auf Basis einer bedingten Empfehlung mit niedriger Evidenzqualität.4
Wasserstoff (H₂)
Ein Gas, das bei der mikrobiellen Fermentation von Kohlenhydraten entstehen kann und über die Ausatemluft messbar ist.1,2

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9. Quellen

  1. Rezaie, A., Buresi, M., Lembo, A., Lin, H., McCallum, R., Rao, S., & others. (2017). Hydrogen and Methane-Based Breath Testing in Gastrointestinal Disorders: The North American Consensus. American Journal of Gastroenterology, 112(5), 775–784. PubMed
  2. Hammer, H. F., Fox, M. R., Keller, J., Salvatore, S., Basilisco, G., Hammer, J., & others. (2022). European guideline on indications, performance, and clinical impact of hydrogen and methane breath tests in adult and pediatric patients. United European Gastroenterology Journal, 10(1), 15–40. Volltext bei PMC
  3. Saad, R. J., & Chey, W. D. (2014). Breath testing for small intestinal bacterial overgrowth: maximizing test accuracy. Clinical Gastroenterology and Hepatology, 12(12), 1964–1972. PubMed
  4. Pimentel, M., Saad, R. J., Long, M. D., Rao, S. S. C., & others. (2020). ACG Clinical Guideline: Small Intestinal Bacterial Overgrowth. American Journal of Gastroenterology, 115(2), 165–178. Leitlinie
  5. Tansel, A., & Levinthal, D. J. (2023). Understanding Our Tests: Hydrogen-Methane Breath Testing to Diagnose Small Intestinal Bacterial Overgrowth. Clinical and Translational Gastroenterology, 14(4), e00567. PubMed
  6. Villanueva-Millan, M. J., Leite, G., Mathur, R., Rezaie, A., & others. (2025). Hydrogen Sulfide and Methane on Breath Test Correlate with Human Small Intestinal Hydrogen Sulfide Producers and Methanogens. Digestive Diseases and Sciences, 70, 3846–3856. PubMed
  7. Pimentel, M., Leite, G., Joo, L., Rezaie, A., Mathur, R., Brenner, D., Nguyen, L., & others. (2026). Real-world Study of Three-gas Breath Testing Nationwide and the Association With Symptoms. Journal of Clinical Gastroenterology, 60(5), 406–417. PubMed
  8. Kashyap, P., Moayyedi, P., Quigley, E. M. M., Simrén, M., & Vanner, S. (2024). Critical appraisal of the SIBO hypothesis and breath testing: A clinical practice update endorsed by the European Society of Neurogastroenterology and Motility and the American Neurogastroenterology and Motility Society. Neurogastroenterology & Motility, 36(6), e14817. Volltext

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