SIBO Academy by Dr. Thomas Bacharach
SIBO Academy by Dr. Thomas Bacharach
14. März 2023
Mögliche Ursachen für eine SIBO: verschlechterte Motilität
Die Dünndarm-Fehlbesiedlung (SIBO) ist eine Überwucherung des Dünndarms mit Bakterien und die häufigste Ursache des Reizdarms.

Mögliche Ursachen für eine SIBO

Verschlechterte Motilität

Das Wort „Darmmotilität“ beschreibt die Bewegungsfähigkeit des Darms. Während der digestiven Phase dient die Darmbewegungsfähigkeit neben dem Transport der Nahrung, auch der Durchmischung mit den Verdauungssäften und der mechanischen Zerkleinerung dieser. Neben der digestiven Phase gibt es auch die interdigestive Phase.

Der sogenannte MMC (migrierender motorischer Komplex) tritt im Nüchternzustand (circa 90 Minuten nach der letzten Nahrungsaufnahme) auf. Dieses bestimmte Kontraktionsmuster dient zur Reinigung von Magen und Dünndarm. Dabei werden unter anderem unverdauliche Ballaststoffe, sowie der Speisebrei und die darin enthaltene Bakterien in den Dickdarm weitertransportiert. Wenn die Motilität des Dünndarms verringert ist, wird auch dieser Reinigungskomplex des Darms negativ beeinflusst, was eine erleichterte Ansiedlung von Bakterien zur Folge haben kann (1). Es gibt verschiedene Gründe, warum die Darmmotilität beeinträchtigt sein kann. Hierzu zählen das postinfektiöse Reizdarmsyndrom, eine Hypothyreose, Diabetes, Dysautonomien oder Sklerodermie. Seltener führen auch chronische Vagusreizungen oder frühere Schädel-Hirn-Trauma zu einer eingeschränkten Darmmotilität.

1. postinfektiöses Reizdarmsyndrom

Die Motilität kann zum Beispiel auf Grund von Magen-Darm-Infekten eingeschränkt sein. Infolge einer infektiösen Magen-Darm-Erkrankung durch z.B. Salmonellen oder Campylobacter (2) kann es zur Entstehung eines Reizdarmsyndroms kommen, welches als postinfektiöses Reizdarmsyndrom bezeichnet wird. In vielen Fällen ist dieses auf eine Dünndarmfehlbesiedlung zurückführbar (3). Durch einen Fehler in der Antikörper-Produktion gegen die Bakterien kann es zudem zu einer Autoimmunreaktion kommen, die sich gegen die Schrittmacherzellen des Darms (Zwischenzellen von Cajal) richtet und somit zu einer reduzierten Darmmotilität führt (2). Zudem wird bei Reizdarmsyndrom-Patienten mit SIBO ein verlangsamter MMC beobachtet (4).

2. Hypothyreose

Hypothyreose ist der medizinische Fachausdruck für eine Schilddrüsenunterfunktion. Die Schilddrüsenhormone sind an der Steuerung von Stoffwechselvorgängen beteiligt. Liegt ein Mangel an Schilddrüsenhormonen vor, kommt es oft zu einer verschlechterten Bewegungsfähigkeit des Darms (5). Daher wird eine Hypothyreose als Risikofaktor für die Entwicklung einer SIBO angesehen (6).

3. Diabetes

Auch Diabetes wird als Risikofaktor für die Entwicklung einer SIBO angesehen (7). Eine mögliche Erklärung ist, dass Diabetes durch erhöhte Blutzuckerwerte zu einer Schädigung der Nerven im Verdauungstrakt führen kann, was die Darmmotilität beeinträchtigt.

4. Dysautonomien

Dysautonomie ist der Überbegriff für Erkrankungen, die die Funktion des autonomen Nervensystems beeinflussen. Zum autonomen Nervensystem gehören das sympathische und parasympathische Nervensystem. Während der Sympathikus eher für eine erhöhte Leistungsbereitschaft des Körpers sorgt, wirkt der Parasympathikus dem entgegen und ist unter anderem für eine funktionierende Verdauung verantwortlich. Ist das autonome Nervensystem beschädigt, hat dies somit Auswirkungen auf die Motilität des Darms, was wiederum die Entstehung einer SIBO begünstigt. Beispiele für Dysautonomien sind das Ehlers Danlos Syndrom und das Posturale Tachykardie Syndrom (POTS). Somit kann eine SIBO-Behandlung eventuell einige Symptome der POTS verbessern (8).

5. Sklerodermie

Bei der Sklerodermie kommt es zu fibrösen und sklerösen Veränderungen im Hautbindegewebe. Eine Unterform der Sklerodermie, die progressive systemische Sklerodermie, kann allerdings auch innere Organe befallen. Sklerosen sind Verhärtungen, die durch eine Vermehrung des Bindegewebes entstehen. Diese können den Fluss der Nahrung durch den Dünndarm erschweren. Somit stellen Sklerosen einen Risikofaktor für die Entstehung einer SIBO dar (9,10).

 

Quellen

  1. Deloose E, Janssen P, Depoortere I, Tack J. The migrating motor complex: control mechanisms and its role in health and disease. Nat Rev Gastroenterol Hepatol. 2012 Mar 27;9(5):271-85. doi: 10.1038/nrgastro.2012.57. PMID: 22450306.
  2. Takakura W, Kudaravalli P, Chatterjee C, Pimentel M, Riddle MS. Campylobacter infection and the link with Irritable Bowel Syndrome: on the pathway towards a causal association. Pathog Dis. 2022 Feb 9;80(1):ftac003. doi: 10.1093/femspd/ftac003. PMID: 35134916.
  3. Pyleris E, Giamarellos-Bourboulis EJ, Tzivras D, Koussoulas V, Barbatzas C, Pimentel M. The prevalence of overgrowth by aerobic bacteria in the small intestine by small bowel culture: relationship with irritable bowel syndrome. Dig Dis Sci. 2012 May;57(5):1321-9. doi: 10.1007/s10620-012-2033-7. Epub 2012 Jan 20. PMID: 22262197
  4. Pimentel M, Soffer EE, Chow EJ, Kong Y, Lin HC. Lower frequency of MMC is found in IBS subjects with abnormal lactulose breath test, suggesting bacterial overgrowth. Dig Dis Sci. 2002 Dec;47(12):2639-43. doi: 10.1023/a:1021039032413. PMID: 12498278.
  5. Goto S, Billmire DF, Grosfeld JL. Hypothyroidism impairs colonic motility and function. An experimental study in the rat. Eur J Pediatr Surg. 1992 Feb;2(1):16-21. doi: 10.1055/s-2008-1063392. PMID: 1571320.
  6. Lauritano EC, Bilotta AL, Gabrielli M, Scarpellini E, Lupascu A, Laginestra A, Novi M, Sottili S, Serricchio M, Cammarota G, Gasbarrini G, Pontecorvi A, Gasbarrini A. Association between hypothyroidism and small intestinal bacterial overgrowth. J Clin Endocrinol Metab. 2007 Nov;92(11):4180-4. doi: 10.1210/jc.2007-0606. Epub 2007 Aug 14. PMID: 17698907.
  7. Feng X, Li XQ. The prevalence of small intestinal bacterial overgrowth in diabetes mellitus: a systematic review and meta-analysis. Aging (Albany NY). 2022 Jan 27;14(2):975-988. doi: 10.18632/aging.203854. Epub 2022 Jan 27. PMID: 35086065; PMCID: PMC8833117.
  8. Weinstock LB, Brook JB, Myers TL, Goodman B. Successful treatment of postural orthostatic tachycardia and mast cell activation syndromes using naltrexone, immunoglobulin and antibiotic treatment. BMJ Case Rep. 2018 Jan 11;2018:bcr2017221405. doi: 10.1136/bcr-2017-221405. PMID: 29326369; PMCID: PMC5778345
  9. Parodi, Andrea M.D.; Sessarego, Marta M.D.; Greco, Alfredo M.D.; Bazzica, Marco M.D.; Filaci, Gilberto M.D.2; Setti, Maurizio M.D.2; Savarino, Edoardo M.D.1; Indiveri, Francesco M.D.2; Savarino, Vincenzo M.D.1; Ghio, Massimo M.D., Ph.D.2. Small Intestinal Bacterial Overgrowth in Patients Suffering From Scleroderma: Clinical Effectiveness of Its Eradication. American Journal of Gastroenterology 103(5):p 1257-1262, May 2008.
  10. Losurdo G, Salvatore D’Abramo F, Indellicati G, Lillo C, Ierardi E, Di Leo A. The Influence of Small Intestinal Bacterial Overgrowth in Digestive and Extra-Intestinal Disorders. Int J Mol Sci. 2020 May 16;21(10):3531. doi: 10.3390/ijms21103531. PMID: 32429454; PMCID: PMC7279035.

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