SIBO bei Haustieren: Dünndarmfehlbesiedlung bei Hund, Katze, Pferd und Kleintieren

Wiederkehrender Durchfall, Blähungen oder Gewichtsverlust können bei Hund, Katze, Pferd, Kaninchen und Meerschweinchen auf eine gestörte Verdauung hindeuten. Erfahre, warum eine Dünndarmdysbiose meist ein Folgeproblem ist, welche Untersuchungen sinnvoll sind und wann du sofort tierärztliche Hilfe brauchst.

31. August 2026
Dr. Thomas Bacharach

DR. THOMAS BACHARACH

Facharzt für Allgemeinmedizin

🕑 Lesezeit: 9–11 Minuten

👆 Das Wichtigste in Kürze

  • SIBO bedeutet eine ungünstige bakterielle Besiedlung des Dünndarms. Bei Haustieren ist sie meist ein Hinweis auf ein anderes Verdauungsproblem – nicht die alleinige Diagnose.
  • Bei Hund und Katze helfen Blut- und Kotuntersuchungen dabei, wichtige Ursachen einzugrenzen.
  • Bei Pferden geht es meist um Fehlgärungen im Blind- und Dickdarm. Bei Kaninchen und Meerschweinchen steht eine GI-Stase im Vordergrund – beides ist nicht mit klassischer Dünndarm-SIBO gleichzusetzen.
  • Futter, Antibiotika und Probiotika sind keine Pauschallösungen. Entscheidend sind eine tierärztliche Diagnose und eine zur Tierart passende Ernährung.

✔ Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag erklärt tiermedizinische Zusammenhänge laienverständlich. Er ersetzt keine tierärztliche Untersuchung, Diagnose oder individuelle Fütterungsberatung. Bei akuten Beschwerden bitte unverzüglich tierärztliche Hilfe suchen.

SIBO bei Haustieren: Was eine Dünndarmdysbiose bei Hund, Katze, Pferd und Kleintieren bedeuten kann

Blähungen, Durchfall, Gewichtsverlust oder ein auffällig gluckernder Bauch können bei Haustieren viele Ursachen haben. Manchmal fällt dabei der Begriff SIBO – eine bakterielle Fehlbesiedlung im Dünndarm. Wichtig ist: Bei Tieren ist das selten die ganze Erklärung. Meist lohnt sich der Blick auf die Frage, warum das Verdauungssystem aus dem Gleichgewicht geraten ist.

1. Was bedeutet SIBO bei Haustieren?
2. SIBO beim Hund: Symptome und Diagnostik
3. Katzen: Darm, Pankreas und Triaditis
4. Pferde: Hinterdarmdysbiose statt klassischer SIBO
5. Kaninchen und Meerschweinchen: GI-Stase und Notfälle
6. Fütterung: praktische Dos & Don’ts
7. Behandlung: Die Ursache zählt
8. Zusammenfassung
9. FAQs
10. Quellen

1. Was bedeutet SIBO bei Haustieren?

SIBO ist die englische Abkürzung für VerlinkungSmall Intestinal Bacterial Overgrowth. Gemeint ist eine übermäßige oder ungünstig veränderte bakterielle Besiedlung des Dünndarms. Einfach gesagt: Bakterien vermehren sich an einem Ort oder in einer Zusammensetzung, die die Verdauung stören kann.

Der Begriff Dünndarmdysbiose ist bei Tieren oft genauer. Denn nicht nur die Menge, sondern auch die Art und Aktivität der Bakterien können sich verändern. Dabei können Gase entstehen, die Darmschleimhaut kann gereizt werden oder Nährstoffe werden schlechter aufgenommen.

Normalerweise schützen mehrere Mechanismen den Dünndarm:

  • Magensäure reduziert viele Keime, die über Futter und Wasser aufgenommen werden.
  • Die Darmbewegung schiebt Futterbrei und Bakterien weiter.
  • Die ileozäkale Klappe wirkt wie eine Art Rückfluss-Sperre zwischen Dünn- und Dickdarm.
  • Gallensäuren, Verdauungsenzyme, Schleimhaut und Immunsystem helfen, das Gleichgewicht zu bewahren.

Wenn diese Schutzsysteme gestört sind, können sich Bakterien leichter verschieben oder vermehren. Deshalb ist eine Dünndarmdysbiose bei Haustieren meist ein Folgeproblem – etwa bei einer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, einer chronischen Darmentzündung, einer gestörten Darmbewegung oder einer ungeeigneten Fütterung.

Wichtig: Humanmedizin nicht übertragen

Atemtests mit Wasserstoff oder Methan sind bei Menschen verbreitet. Für Hund, Katze, Pferd oder Kaninchen sind sie jedoch kein Standardtest in der tierärztlichen Praxis. Bitte keine SIBO-Diäten, Antibiotika, Präbiotika oder Probiotika aus der Humanmedizin ohne tierärztliche Rücksprache anwenden.

2. SIBO beim Hund: Symptome und Diagnostik

Beim Hund wird SIBO besonders oft genannt. Gleichzeitig ist die Diagnose nicht immer eindeutig: Viele Beschwerden können auch durch Parasiten, Futtermittelreaktionen, eine chronische Enteropathie oder eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse entstehen.

Typische Beschwerden

  • Durchfall, der über Wochen wiederkommt oder nicht richtig abklingt
  • Gewichtsverlust trotz gutem oder sehr großem Appetit
  • Blähungen und deutlich hörbares Bauchgluckern
  • Große Kotmengen, weicher oder auffällig riechender Kot
  • Übelkeitsanzeichen wie Schmatzen, besonders morgens
  • Schlechte Futterverwertung

Wichtige mögliche Ursachen

  • Exokrine Pankreasinsuffizienz, kurz EPI: Die Bauchspeicheldrüse bildet zu wenig Verdauungsenzyme. Futter wird dann schlechter aufgespalten; das kann die Zusammensetzung der Darmbakterien verändern.
  • Chronische Enteropathie: Das ist ein Sammelbegriff für länger andauernde Darmerkrankungen, etwa durch Futterreaktionen oder Entzündungen.
  • Verlangsamte Darmbewegung: Bleibt Futter länger im Dünndarm, können sich Bakterien leichter vermehren.
  • Infektionen oder Parasiten: Auch nach einer Giardia-Infektion kann sich die Darmfunktion nur langsam normalisieren.

Diagnostik: ein sinnvoller Pfad

Bei länger anhaltenden Beschwerden wird nicht einfach „auf SIBO getestet“. Stattdessen prüft die Tierarztpraxis Schritt für Schritt, welche Ursache am wahrscheinlichsten ist. Dazu gehören in der Regel eine genaue Fütterungs- und Krankengeschichte, eine klinische Untersuchung, Kotproben sowie Blutuntersuchungen.

  1. Kotuntersuchung: Sie hilft, Parasiten wie Giardien oder Würmer sowie andere infektiöse Ursachen zu erkennen oder auszuschließen.
  2. TLI-Test bei EPI-Verdacht: Der Test misst die Trypsin-like Immunoreactivity. Ein erniedrigter, nüchtern gemessener cTLI-Wert unterstützt die Diagnose einer exokrinen Pankreasinsuffizienz beim Hund. Gemessen wird die Konzentration von Trypsin und vor allem dessen Vorstufe Trypsinogen im Blut. Diese Stoffe werden nahezu ausschließlich von den exokrinen Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet. Bei einer EPI ist ein großer Teil des funktionsfähigen Pankreasgewebes verloren gegangen, sodass deutlich weniger Verdauungsenzyme und Trypsinogen produziert werden. Dadurch sinkt die TLI-Konzentration im Blut.
  3. Cobalamin und Folsäure: Cobalamin ist Vitamin B12. Niedrige Werte können bei EPI oder Erkrankungen des Dünndarms vorkommen. Ein erhöhter Folatwert kann mit bakterieller Aktivität im Dünndarm zusammenhängen. Beide Werte sind Hinweise, aber kein alleiniger SIBO-Beweis.
  4. cPLI bei Pankreatitis-Verdacht: Die canine Pancreatic Lipase Immunoreactivity, kurz cPLI, ist ein Pankreasmarker. Sie wird zusammen mit Beschwerden, Untersuchung und bei Bedarf Ultraschall bewertet; ein einzelner Laborwert stellt keine Diagnose für sich allein.
  5. Stuhl-Mikrobiom-Analyse: Ein Dysbiosis Index kann Veränderungen der Darmflora im Kot erfassen. Er zeigt eine Dysbiose im Dickdarm-nahen Kotmilieu, beweist aber keine bakterielle Fehlbesiedlung im Dünndarm. Das Ergebnis ist ein Zusatzbaustein und kein Ersatz für die klassische Diagnostik.
  6. Ultraschall oder Endoskopie: Bei anhaltenden oder schweren Beschwerden können bildgebende Verfahren und in ausgewählten Fällen Gewebeproben erforderlich sein.

Die wissenschaftliche Literatur betont, dass indirekte Tests wie Cobalamin und Folsäure SIBO beim Hund nicht zuverlässig allein bestätigen oder ausschließen können. Genau deshalb ist dieser mehrstufige diagnostische Weg sinnvoll.

3. Katzen: Darm, Pankreas und Triaditis

Bei Katzen zeigt sich eine Störung des Dünndarms oft weniger deutlich als beim Hund. Viele Katzen haben nicht zwingend starken Durchfall. Stattdessen fallen Gewichtsverlust, wiederkehrendes Erbrechen, geringerer Appetit oder ein stumpfes Fell auf.

Eine wichtige Konstellation ist die feline Triaditis. Damit sind gleichzeitig auftretende Entzündungen von Darm, Bauchspeicheldrüse und Gallenwegen beziehungsweise Leber gemeint. Diese Erkrankungen können sich gegenseitig beeinflussen. Deshalb sollte bei länger bestehenden Verdauungsproblemen nicht vorschnell nur von „Darmflora“ gesprochen werden.

Mögliche Zeichen

  • Schleichender Gewichtsverlust
  • Wiederkehrendes Erbrechen
  • Verändertes Fell oder weniger Fellpflege
  • Weicher, breiiger oder unregelmäßiger Kot
  • Weniger Aktivität, Rückzug oder verändertes Fressverhalten

Diagnostik bei Katzen

Auch bei Katzen sind Cobalamin und Folsäure ergänzende Laborwerte und keine SIBO-Tests. Bei Verdacht auf eine Pankreatitis kann die Praxis eine fPLI bestimmen – die feline Pancreatic Lipase Immunoreactivity. TLI wird bei Katzen und Hunden zur Beurteilung der exokrinen Pankreasfunktion eingesetzt; cPLI beziehungsweise fPLI dienen als speziesbezogene Pankreaslipase-Tests bei Pankreatitis-Verdacht.

Eine Stuhl-Mikrobiom-Analyse kann eine Dysbiose im Kot beschreiben, beantwortet aber nicht allein die Frage, ob im Dünndarm eine Fehlbesiedlung vorliegt. Je nach Befund folgen Kotdiagnostik, Blutwerte, Ultraschall und – wenn es medizinisch sinnvoll ist – Gewebeproben. Gerade bei Katzen ist die Kombination der Befunde entscheidend.

4. Pferde: Hinterdarmdysbiose statt klassischer SIBO

Beim Pferd ist der Ausdruck „SIBO“ meist nicht die beste Beschreibung. Pferde sind Hinddarmfermentierer: Der größte Teil der mikrobiellen Verdauung findet natürlicherweise im Blinddarm und Dickdarm statt. Wenn beim Pferd durch Futter oder Erkrankungen bakterielle Veränderungen auftreten, spricht man daher treffender von einer Hinterdarmdysbiose oder Fehlgärung.

Gelangen zu große Mengen Stärke aus Kraftfutter in den Hinterdarm, können die dortigen Bakterien die Stärke rasch vergären. Dabei entstehen Säuren, der pH-Wert sinkt und die mikrobielle Balance kann kippen. Das ist ein anderer Mechanismus als die klassische Dünndarm-SIBO beim Menschen oder die diskutierte Dünndarmdysbiose beim Hund.

Mögliche Warnzeichen

  • Wiederkehrende Kolikzeichen oder Unruhe
  • Leistungsabfall
  • Gewichtsverlust oder schlechte Futterverwertung
  • Kotwasser oder auffällige Kotveränderungen
  • Blähungen und Bauchgeräusche

Kolik ist immer ein Notfall. Kotwasser ist kein Beweis für eine bakterielle Fehlbesiedlung und kann viele Ursachen haben. Bei Schmerzen, Fressunlust, Schwitzen, Wälzen, Fieber oder Kreislaufproblemen muss sofort eine Tierärztin oder ein Tierarzt gerufen werden.

5. Kaninchen und Meerschweinchen: GI-Stase und Notfälle

Auch bei Kaninchen und Meerschweinchen ist eine klassische Dünndarm-SIBO nicht die passende Haupt-Erklärung. Beide Tierarten sind auf eine kontinuierliche Futteraufnahme und auf mikrobielle Fermentation im Blinddarm angewiesen. Bei ihnen steht bei Verdauungsproblemen häufig eine GI-Stase im Vordergrund: Die Magen-Darm-Bewegung ist deutlich verlangsamt; in schweren Fällen kann der Weitertransport nahezu zum Erliegen kommen.

Fresspausen, Schmerzen, Stress, Zahnprobleme, falsches Futter oder ungeeignete Antibiotika können eine GI-Stase auslösen. Dann bleibt Futter liegen, es entsteht Gas, die Schleimhaut wird belastet und ungünstige Keime können sich vermehren. Dieser gefährliche Kreislauf betrifft vor allem Magen, Dünndarm, Blinddarm und Dickdarm – und ist nicht mit klassischer SIBO gleichzusetzen.

Bei Kaninchen sind schwere Durchfälle und Enterotoxämien unter anderem mit einer Überwucherung durch Clostridium-Arten verbunden. Das zeigt, warum eine bakterielle Verschiebung im Verdauungstrakt ernst genommen werden muss.

Notfallzeichen

  • Aufgeblähter oder harter Bauch
  • Fressverweigerung
  • Zähneknirschen, gekrümmte Haltung oder deutliche Apathie
  • Sehr kleine Kotballen oder kein Kotabsatz
  • Durchfall, Unterkühlung oder rasche Schwäche

Bitte nicht abwarten: Ein Kaninchen oder Meerschweinchen mit diesen Zeichen braucht sofort tierärztliche Hilfe. Die Behandlung einer GI-Stase umfasst je nach Befund insbesondere Flüssigkeitstherapie, Schmerzbehandlung, unterstützte Nahrungsaufnahme und engmaschige Überwachung. Vor einer unterstützten Fütterung oder motilitätsfördernden Behandlung muss die Tierarztpraxis beurteilen, ob ein mechanischer Verschluss vorliegen könnte. Ein frei gewähltes Probiotikum ist keine Notfallbehandlung.

6. Fütterung: praktische Dos & Don’ts

Ernährung kann die Verdauung stark beeinflussen. Sie ersetzt jedoch keine Diagnostik – und sie muss zur Tierart, Erkrankung, Gewichtsentwicklung und individuellen Verträglichkeit passen.

Tierart Dos Don’ts
Hund Bei chronischen Beschwerden mit der Tierarztpraxis eine gut verdauliche gastrointestinale Diät oder eine konsequent durchgeführte Eliminationsdiät mit neuem beziehungsweise hydrolysiertem Protein planen. Bei Dickdarmdurchfall kann – abhängig von Ursache und Faserart – eine faserangepasste Diät sinnvoll sein. Nicht pauschal „maximal viel Ballaststoff“ füttern. Bei Erbrechen oder Dünndarmdurchfall kann eine sehr faserreiche Ration ungeeignet sein. Keine abrupten Futterwechsel und keine eigenmächtigen Ergänzungen in der laufenden Eliminationsdiät.
Katze Eine ausgewogene, gut akzeptierte und zur Erkrankung passende Diät mit der Tierarztpraxis festlegen. Bei kranken Katzen haben ausreichende Energie- und Nährstoffaufnahme sowie die Vermeidung weiterer Gewichtsverluste Priorität. Keine Ausschlussdiät oder Nahrungsergänzung auf eigene Faust beginnen, wenn die Katze bereits schlecht frisst oder Gewicht verliert. Eine diagnostische Eliminationsdiät sollte vollständig bilanziert und tierärztlich geplant sein.
Pferd Raufutter als Basis sichern, Kraftfuttermenge überprüfen und Mahlzeiten sinnvoll aufteilen. Eine faserbetonte, schrittweise angepasste Ration unterstützt eine stabilere Hinterdarmflora. Futterwechsel möglichst langsam umstellen. Große Einzelportionen von Getreide- oder stärkereichem Kraftfutter nicht unkritisch füttern. Als vorsichtiger Orientierungswert werden häufig höchstens 1 g Stärke pro kg Körpergewicht je Mahlzeit genannt; bei empfindlichen Pferden kann deutlich weniger sinnvoll sein. Die konkrete Ration gehört in fachkundige Beratung.
Kaninchen & Meerschweinchen Hochwertiges Heu jederzeit verfügbar anbieten und Futterwechsel schrittweise gestalten. Fressunlust, deutlich weniger Kot oder ein aufgeblähter Bauch müssen sofort tierärztlich abgeklärt werden. Keine zucker- oder stärkehaltigen Futtermengen als Futterbasis. Keine Antibiotika ohne exoten- beziehungsweise heimtierkundige tierärztliche Verordnung. Bei Verdacht auf GI-Stase keine eigenmächtige Zwangsfütterung oder motilitätsfördernde Medikamente, bevor ein mechanischer Verschluss tierärztlich ausgeschlossen wurde.

Ballaststoffe beim Hund: Nicht „mehr“ ist immer besser

Für Hunde gibt es keinen einzigen optimalen Ballaststoffwert, der für alle Darmprobleme passt. Entscheidend sind Art der Beschwerden, die vermutete Ursache und der betroffene Darmabschnitt. Bei Dickdarmdurchfall können passend ausgewählte lösliche und unlösliche Fasern die Kotkonsistenz und Darmbewegung unterstützen.

Bei Erbrechen oder Problemen, die eher aus dem Dünndarm kommen, werden häufig gut verdauliche und eher rückstandsarme Diäten gewählt. Deshalb sollte ein faserreiches Futter oder Flohsamenschalen nicht als allgemeine SIBO-Therapie verstanden werden. Die geeignete Faserart und -menge sollte mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden.

7. Behandlung: Die Ursache zählt

Es gibt keine universelle „SIBO-Kur“ für Haustiere. Die passende Behandlung hängt davon ab, welche Erkrankung oder welcher Auslöser hinter den Beschwerden steckt.

1. Die Grunderkrankung behandeln

  • Bei EPI benötigt ein Hund Verdauungsenzyme und eine passende Kontrolle der Nährstoffversorgung.
  • Bei chronischen Enteropathien kann eine gezielte Ausschluss- oder hydrolysierte Diät ein wichtiger erster Schritt sein.
  • Beim Pferd gehören ausreichend Raufutter und eine Überprüfung der Stärke- und Kraftfuttermenge zu den wichtigsten Ansatzpunkten.
  • Bei Kaninchen und Meerschweinchen stehen Notfallversorgung, Schmerztherapie, Flüssigkeit und die Wiederaufnahme der Futteraufnahme im Vordergrund. Vor einer unterstützten Fütterung muss ein möglicher mechanischer Verschluss tierärztlich beurteilt werden.

2. Antibiotika nur gezielt

Antibiotika sind manchmal notwendig, aber nicht automatisch die richtige Antwort auf Durchfall oder Blähungen. Bei Hunden mit chronischer Enteropathie werden sie heute in der Regel nicht als erste und einzige Maßnahme betrachtet: Ernährung und eine sorgfältige Diagnostik haben einen hohen Stellenwert. Ein ungezielter Einsatz kann die Darmflora zusätzlich verändern und Resistenzen fördern.

3. Probiotika und Präbiotika: kein Selbstläufer

Probiotika können in bestimmten Situationen nützlich sein, doch der Effekt hängt vom verwendeten Stamm, der Dosis, der Tierart und der eigentlichen Erkrankung ab. Für Hunde und Katzen mit chronischen Darmerkrankungen ist die Datenlage nicht so eindeutig, dass jedes Tier automatisch ein Probiotikum erhalten sollte. Besprechen Sie Ergänzungsmittel deshalb mit der behandelnden Tierarztpraxis.

Glossar: Fachbegriffe einfach erklärt

SIBO
Eine ungünstige bakterielle Vermehrung oder Verschiebung im Dünndarm. Bei Tieren ist sie oft Folge einer anderen Erkrankung.
Dysbiose
Ein Ungleichgewicht der Darmflora. Nicht nur die Bakterienmenge, sondern auch ihre Zusammensetzung und Funktion verändern sich.
TLI
Trypsin-like Immunoreactivity. Ein Bluttest, der bei Hund und Katze zur Beurteilung der exokrinen Pankreasfunktion eingesetzt wird. Er ist besonders wichtig bei Verdacht auf EPI.
cPLI / fPLI
Canine beziehungsweise feline Pancreatic Lipase Immunoreactivity. Speziesbezogene Bluttests, die bei Verdacht auf Pankreatitis als Teil der Gesamtbeurteilung eingesetzt werden.
Cobalamin
Vitamin B12. Ein niedriger Wert kann bei Hunden und Katzen ein Hinweis auf bestimmte Darm- oder Pankreasprobleme sein.
Hinterdarmdysbiose
Eine Störung der Mikroorganismen im Blind- und Dickdarm. Dieser Begriff ist beim Pferd meist passender als SIBO.
GI-Stase
Eine starke Verlangsamung der Magen-Darm-Bewegung. Bei Kaninchen und Meerschweinchen ist sie ein ernstes Krankheitsbild, dessen Ursache rasch tierärztlich abgeklärt werden muss.

8. Zusammenfassung

  • Eine Dünndarmdysbiose ist bei Haustieren meistens ein Hinweis, nicht die endgültige Diagnose.
  • Bei Hund und Katze ermöglichen TLI, cPLI/fPLI, Cobalamin/Folsäure, Kotdiagnostik und bei Bedarf Ultraschall eine gezieltere Suche nach der Ursache. Mikrobiom-Tests können ergänzen, aber keine Dünndarm-SIBO beweisen.
  • Beim Pferd stehen Fehlgärungen und eine Dysbiose des Hinterdarms im Mittelpunkt; ausreichend Raufutter sowie die Vermeidung großer Stärkemahlzeiten sind wichtige Ansatzpunkte.
  • Bei Kaninchen und Meerschweinchen ist eine GI-Stase mit Blähbauch, Fressunlust oder fehlendem Kotabsatz ein Notfall.
  • Antibiotika, Probiotika und Diäten sind keine Pauschallösungen. Entscheidend ist die tierärztliche Abklärung und Behandlung der Ursache.

9. FAQs

Kann mein Hund wirklich SIBO haben?

Eine Dünndarmdysbiose kann bei Hunden vorkommen. Die Beschwerden sind aber nicht spezifisch: Auch EPI, Parasiten, chronische Darmerkrankungen oder Futterreaktionen können Durchfall, Blähungen und Gewichtsverlust verursachen. Deshalb sollte die Diagnose nicht allein anhand von Symptomen gestellt werden.

Was ist der Unterschied zwischen TLI und cPLI?

TLI wird vor allem zur Beurteilung der exokrinen Pankreasfunktion eingesetzt und ist wichtig bei EPI-Verdacht. cPLI beim Hund beziehungsweise fPLI bei der Katze sind Pankreaslipase-Tests, die bei Verdacht auf eine Pankreatitis als Teil der Gesamtbeurteilung genutzt werden.

Kann eine Stuhl-Mikrobiom-Analyse SIBO nachweisen?

Nein. Eine Mikrobiom-Analyse aus Kot kann Hinweise auf eine Dysbiose im Kotmilieu liefern. Sie kann jedoch nicht allein beweisen, dass im Dünndarm eine bakterielle Fehlbesiedlung vorliegt.

Wie viel Ballaststoff braucht ein Hund mit Durchfall?

Das hängt von der Ursache, der Faserart und davon ab, ob vor allem Dünn- oder Dickdarm betroffen sind. Bei Dickdarmdurchfall kann eine faserangepasste Diät helfen; bei Erbrechen oder Dünndarmproblemen wird häufig eine gut verdauliche, eher rückstandsarme Diät bevorzugt. Die konkrete Ration sollte die Tierarztpraxis festlegen.

Was soll ich bei Kotwasser oder Kolikzeichen beim Pferd tun?

Kotwasser sollte tierärztlich und über das Fütterungsmanagement abgeklärt werden. Bei Kolikzeichen – beispielsweise Scharren, Wälzen, Schwitzen, wiederholtem Hinlegen oder Fressunlust – sofort den tierärztlichen Notdienst rufen.

Ist ein Blähbauch beim Kaninchen ein Notfall?

Ja. Ein Blähbauch, Fressunlust, Schmerzen, Apathie oder fehlender Kotabsatz können Zeichen einer schweren Magen-Darm-Störung sein. Bitte unmittelbar tierärztliche Hilfe organisieren und nicht mit Hausmitteln abwarten. Unterstützte Fütterung oder motilitätsfördernde Medikamente sollten nicht eigenständig eingesetzt werden, bevor ein mechanischer Verschluss tierärztlich ausgeschlossen wurde.

SIBO Academy® Newsletter

Hole dir die neuesten Updates aus der SIBO-Welt kostenlos direkt ins Postfach.

10. Quellen

  1. German, A. J., Day, M. J., Ruaux, C. G., Steiner, J. M., Williams, D. A., & Hall, E. J. (2003). Comparison of direct and indirect tests for small intestinal bacterial overgrowth and antibiotic-responsive diarrhea in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine, 17(1), 33–43. Originalquelle via DOI | PubMed
  2. Rutgers, H. C., Batt, R. M., Elwood, C. M., Lamport, A., & Thomson, H. (1995). Small intestinal bacterial overgrowth in dogs with chronic intestinal disease. Journal of the American Veterinary Medical Association, 206(2), 187–193. Originalquelle beim AVMA Journal
  3. Ruaux, C. G. (2013). Cobalamin in companion animals: Diagnostic marker, deficiency states and therapeutic implications. The Veterinary Journal, 196(2), 145–152. Originalquelle via DOI | PubMed
  4. Toresson, L., Steiner, J. M., Suchodolski, J. S., Spillmann, T., & Lidbury, J. A. (2019). Review of cobalamin status and disorders of cobalamin metabolism in dogs. Journal of Veterinary Internal Medicine, 33(6), 2491–2502. Originalquelle via DOI
  5. Texas A&M Gastrointestinal Laboratory. Assays: TLI for exocrine pancreatic function, PLI for pancreatitis, Cobalamin/Folate for small-intestinal function, and Microbiota Dysbiosis Index for canine/feline fecal samples. Originalseite
  6. Černá, P., Kilpatrick, S., & Gunn-Moore, D. A. (2020). Feline comorbidities: What do we really know about feline triaditis? Journal of Feline Medicine and Surgery, 22(11), 1047–1067. Originalquelle via DOI | Kostenloser Volltext bei PMC
  7. Richards, N., Hinch, G., & Rowe, J. (2006). The effect of current grain feeding practices on hindgut starch fermentation and acidosis in the Australian racing Thoroughbred. Australian Veterinary Journal, 84(11), 402–407. Originalquelle via DOI | PubMed
  8. Julliand, V., de Vaux, A., Millet, L., & Fonty, G. (2016). Effect of dietary starch source and concentration on equine fecal microbiota. Journal of Animal Science, 94(8), 3320–3331. Kostenloser Volltext bei PMC
  9. Hassel, D. M., Hill, A. E., & Rorvik, M. M. (2022). Gut health of horses: effects of high fibre vs high starch diet on the gastrointestinal tract and microbiota. BMC Veterinary Research, 18, 323. Kostenloser Volltext bei PMC
  10. Quesenberry, K. E., & Carpenter, J. W. (2013). Gastrointestinal Disease in Guinea Pigs and Rabbits. Veterinary Clinics of North America: Exotic Animal Practice, 16(1), 65–88. Kostenloser Volltext bei PMC
  11. Merck Veterinary Manual. Digestive Disorders of Rabbits. Originalseite
  12. World Small Animal Veterinary Association (WSAVA). Global Nutrition Guidelines. Originalseite

Das könnte Dich auch interessieren

SIBO Academy ® Newsletter

Hole dir die neuesten Updates aus der SIBO-Welt kostenlos direkt ins Postfach

  • Einmal im Monat erhältst du die neuesten Infos aus unserer Academy zum Thema SIBO und Darmgesundheit
  • Du erhältst wertvolle, einfach umsetzbare Tipps zur Steigerung deines Wohlbefindens
  • Wir informieren dich über aktuelle Termine und Angebote aus unserer Academy

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Brevo. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Mehr Informationen