SIBO Academy by Dr. Thomas Bacharach
SIBO Academy by Dr. Thomas Bacharach
12. Mai 2024
Reizdarm Symptome – Was hilft bei Verstopfung?
Verstopfung ist ein häufiges Symptom, welches in Zusammenhang mit Reizdarm vorkommen kann.

Verstopfung bei Reizdarm und was man dagegen tun kann

Inhalt

1. Wie wird Verstopfung definiert?
1.1 Arten von Verstopfung
1.2 Chronische Obstipation
2. Ursachen für Verstopfung
3. Verstopfung bei Reizdarm
4. Verstopfung bei SIBO
4.1 Methan als Verstopfungsursache
5. Was tun gegen Verstopfung?
5.1 Laxantien
5.2 Ballaststoffe
5.3 Sport und Yoga

Verstopfung ist eines der klassischen Symptome bei Reizdarm und SIBO. Doch was sind die Ursachen & was kann man dagegen tun?

1. Wie wird Verstopfung definiert?

Als Verstopfung (Obstipation oder engl. constipation) wird ein zu seltener Stuhlgang, eine zu harte Stuhlkonsistenz und/oder eine zu geringe Stuhlmenge beschrieben. Während der Darmpassage wird dem Stuhl immer mehr Wasser entzogen, da unser Körper dieses Wasser gut gebrauchen kann. Verweilt der Stuhl nun aber zu lange im Darm, zum Beispiel aufgrund einer verringerten Mobilität des Darms, härtet er mehr und mehr aus, was letztendlich auch das Absetzen des Stuhles erschwert. Dies macht sich durch die Notwendigkeit von starkem Pressen beim Stuhlgang deutlich.
Es ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, wie häufig sie Stuhlgang haben. Als zu seltener Stuhlgang und somit als ein Indiz für Verstopfung wird weniger als dreimal pro Woche gewertet.

1.1 Arten von Verstopfung

Es gibt verschiedene Arten der Obstipation: Bei der STC (slow-transit consitipation) liegt eine unregelmäßige Darmbewegung vor, was dazu führt, dass der Stuhl länger im Darm verbleibt. Bei der NTC (normal-transit constipation) verläuft der Transit des Stuhls durch den Kolon zwar normal, aber es fällt den Betroffenen schwer, den Stuhl auszuscheiden. (1)

1.2 Chronische Obstipation

Es wird zudem zwischen akuter und chronischer Verstopfung unterschieden. Eine chronische Obstipation wird durch mindestens zwei der nachfolgenden Kriterien definiert (2):
• klumpiger oder harter Stuhl (Bristol-Stuhlformen-Skala 1-2) bei > 25% der Stuhlentleerungen
• starkes Pressen bei > 25% der Stuhlentleerungen
• subjektiv unvollständige Entleerung bei > 25% der Stuhlentleerungen
• subjektive Obstruktion bei > 25% der Stuhlentleerungen
• manuelle Manöver zur Erleichterung der Defäkation bei > 25% der Stuhlentleerungen
• < 3 spontane Stuhlgänge pro Woche
Diese Form der Verstopfung stellt allerdings ein eigenständiges Krankheitsbild dar und wird nur diagnostiziert, wenn keine Kriterien eines Reizdarm-Syndroms erfüllt sind. (2)

2. Ursachen für Verstopfung

Die Ursachen für die Entstehung einer Verstopfung können vielseitig sein. Hierzu zählen Bewegungsmangel, eine mangelnde Flüssigkeitszufuhr, Fehler in der Ernährung (vor allem eine zu ballaststoffarme Ernährung) oder organische Ursachen.

3. Verstopfung bei Reizdarm

Neben dem diarrhoe-prädominantem Reizdarm Typ RDS-D, gibt es auch die Typen RDS-O (obstipation-prädominant), RDS-A (alternierend Diarrhoe und Obstipation) und RDS-M (gemischtes Stuhlverhalten innerhalb eines Tages). Der RDS-O Typ macht dabei laut der aktuellen Reizdarm-Leitlinie 1/3 aller Fälle aus. (3)
Weitere Symptome des Reizdarmsyndroms können Blähungen und Blähbauch sein.

4.Verstopfung bei SIBO

Auch bei SIBO (small intestinal bacterial overgrowth) kann es als Symptom zu Verstopfung kommen. Verstopfung tritt vor allem im Zusammenhang mit einer Methan-SIBO auf.

4.1 Methan als Verstopfungsursache

Bei einer Methan-SIBO überwiegt das Vorliegen von Archaeen. Da es sich bei Archaeen nicht um Bakterien handelt, ist hier die Bezeichnung SIBO (bacterial overgrowth) eigentlich nicht ganz richtig. Dennoch wird diese Form der Dünndarmfehlbesiedlung auch zur SIBO sortiert.
Das Gas Methan entsteht als Stoffwechselendprodukt der Archaeen und hat Auswirkungen auf den Darm. Methan kann die Darmtransitzeit reduzieren (4,5). Dies wiederum begünstigt die Entstehung von Verstopfung.

5. Was tun gegen Verstopfung?

5.1 Laxantien

Um gegen Verstopfung vorzugehen oder um eine Entstehung von Verstopfung zu vermeiden, gibt es mehrere Optionen. Medikamentös eignet sich der Einsatz von Laxantien (Abführmittel). Doch es gibt auch nicht-medikamentöse Wege, um mit Verstopfung umzugehen.

5.2 Ballaststoffe

Ganz wichtig sind hierbei Ballaststoffe (6). Bei einer Steigerung der Ballaststoffaufnahme ist allerdings zu beachten, dass mit niedrigen Dosierungen gestartet wird, welche langsam gesteigert werden (7). Werden zu viele Ballaststoffe zu schnell konsumiert, kann dies zu Beschwerden führen, da weder der Darm noch die Mikrobiota mit diesen Mengen umzugehen wissen.
Der stuhlregulierende Effekt von Ballaststoffen kann durch eine ausreichende Aufnahme von Flüssigkeit noch verstärkt werden (8).

5.3 Sport und Yoga

Neben Medikamenten und Ernährungsanpassungen können auch Sport und Yoga bei Reizdarmsyndrom bzw. Verstopfungen im Allgemeinen helfen (9,10). Sport unterstützt hierbei die Darmmotilität, verbessert die Durchblutung und trägt generell zu einer gesunden Lebensweise bei.

Quellen

  1. Diaz S, Bittar K, Hashmi MF, Mendez MD. Constipation. 2023 Nov 12. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; 2024 Jan–. PMID: 30020663.
  2. Aktualisierte S2k-Leitlinie chronische Obstipation der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie & Motilität (DGNM); April 2022; https://register.awmf.org/assets/guidelines/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2022-04_01.pdf; zuletzt geprüft 29.04.2024
  3. Update S3-Leitlinie Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. Gemeinsame Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) und der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM); Juni 2021; https://register.awmf.org/assets/guidelines/021-016l_S3_Definition-Pathophysiologie-Diagnostik-Therapie-Reizdarmsyndroms_2022-02.pdf; zuletzt geprüft am 29.04.2024
  4. Pimentel, Mark; Gunsalus, Robert P; Rao, Satish Sc; Zhang, Husen; Methanogens in Human Health and Disease; The American Journal of Gastroenterology Supplements; New York; 2012
  5. Pimentel M, Lin HC, Enayati P, van den Burg B, Lee HR, Chen JH, Park S, Kong Y, Conklin J. Methane, a gas produced by enteric bacteria, slows intestinal transit and augments small intestinal contractile activity. Am J Physiol Gastrointest Liver Physiol. 2006 Jun;290(6):G1089-95. doi: 10.1152/ajpgi.00574.2004. Epub 2005 Nov 17. PMID: 16293652.
  6. Manz M, Meier R. Pharmakologische Therapie von Transitstörungen [Pharmacologic treatments of transit disorders]. Ther Umsch. 2007 Apr;64(4):227-32. German. doi: 10.1024/0040-5930.64.4.227. PMID: 17663210.
  7. Zuckerman MJ. The role of fiber in the treatment of irritable bowel syndrome: therapeutic recommendations. J Clin Gastroenterol. 2006 Feb;40(2):104-8. doi: 10.1097/01.mcg.0000196405.15110.bb. PMID: 16394869.
  8. Anti M, Pignataro G, Armuzzi A, Valenti A, Iascone E, Marmo R, Lamazza A, Pretaroli AR, Pace V, Leo P, Castelli A, Gasbarrini G. Water supplementation enhances the effect of high-fiber diet on stool frequency and laxative consumption in adult patients with functional constipation. Hepatogastroenterology. 1998 May-Jun;45(21):727-32. PMID: 9684123.
  9. Evans S, Lung KC, Seidman LC, Sternlieb B, Zeltzer LK, Tsao JC. Iyengar yoga for adolescents and young adults with irritable bowel syndrome. J Pediatr Gastroenterol Nutr. 2014 Aug;59(2):244-53. doi: 10.1097/MPG.0000000000000366. PMID: 25025601; PMCID: PMC4146428.
  10. Johannesson E, Ringström G, Abrahamsson H, Sadik R. Intervention to increase physical activity in irritable bowel syndrome shows long-term positive effects. World J Gastroenterol. 2015 Jan 14;21(2):600-8. doi: 10.3748/wjg.v21.i2.600. PMID: 25593485; PMCID: PMC4294172.

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